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Der Digitale Euro

Digitaler
euro

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Der Trend zur bargeldlosen Bezahlung nimmt immer weiter zu. Fabio Panetta, ein Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) kritisiert daher, dass es immer noch kein Äquivalent des Euros in digitaler Form gibt. Ein Digitaler Euro wird die Zahlungsabwicklung in Europa maßgeblich Verändern und für eine Revolution Sorgen.

Was ist ein
digitaler euro?

Ein digitaler Euro wäre Bargeld in digitaler Form und könnte von der breiten Bevölkerung genutzt werden. Die EZB veröffentlichte zuletzt einen Bericht, in dem sie bekannt gab, dass sie sich bereits Gedanken über eine mögliche Einführung des digitalen Euros macht und den Startschuss einer neuen Ära der europäischen Banknote legen möchte. Der digitale Euro soll dabei unser Papiergeld nicht ersetzten, nur ergänzen. Der Euro in digitaler Form soll den europäischen Finanzmarkt sichern, in dem er den Euro stabiler gegenüber weltweiter Konkurrenz macht. Wenn herkömmliche Zahlungsdienste aufgrund von Pandemien oder Naturkatstrophen nicht mehr funktionierten, soll die digitale Währung eine Schwächung des Euros, in Folge einer extremen Situation, abfedern. Aber wie soll das gehen? Im Gegensatz zu Kryptowährungen, wie z.B. der Bitcoin, der laut EZB ein hochspekulatives Anlageobjekt ist, soll der digitale Euro unter die Aufsicht der EZB gestellt werden, die die Stabilität der Währung sichern kann.

China arbeitet bereits seit 2014 an einer digitalen Währung, der Chinese Digital Currency Electronic Payment (DCEP) und hat dafür etwa fünf Jahre gebraucht. Staatliche Leistungen werden dort bereits mit der digitalen Form des Renminbis (Yuan) bezahlt. Damit bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als sich mit der digitalen Währung auseinanderzusetzen. Fürchtet man in Europa noch die mangelnde Akzeptanz der Bevölkerung, könnte dieser Weg ein guter Einstieg zur Einführung des digitalen Euros sein. Bereits bei den olympischen Winterspielen in Peking 2022, will China den Touristen ermöglichen, die digitale Währung zu nutzen. Auch Facebook plant eine digitale globale Währung mit dem Namen Libra, welches mittlerweile in Diem umbenannt wurde. Sie soll keine eigenständige Währung sein, sondern komplementär angekoppelt, an die jeweilige Währung des Landes, werden. Auch in Schweden, wo mittlerweile kaum noch Bargeld im Umlauf ist, tüftelt man bereits an einer digitalen Währung, der E-Krona. Die EZB steht damit zunehmend unter Zugzwang, denn Europa hängt der weltweiten Einwicklung hinterher. Die Forderungen aus der Wirtschaft werden daher immer lauter. Auch der Bundesverband deutscher Banken (BDB) fordert zu einem energischen und schnellen Handeln auf, denn der Rückstand Europas könne momentan noch aufgeholt werden, bald wird es dafür allerdings zu spät sein.

Trotz der weltweit schnellen Entwicklung außerhalb Europas, wird der digitale Euro wohl aber nicht so schnell eingeführt werden. Denn die Europäische Union (EU) hat dessen Einführung noch gar nicht beschlossen. Noch sammelt die EZB Pro und Contra der digitalen Währung. Die Abstimmung ist dann für Sommer 2021 geplant. Die EU will bis dahin die Pläne erstmal konkretisieren. Dafür müssen mögliche Designs erst geplant, potenzielle Stakeholder und internationale Partner ins Gespräch gebracht werden. Der digitale Euro soll laut EZB einfach zugänglich, aber sicher und zudem zu einer effizienten Währung werden. Die Europäische Zentralbank hatte im Oktober eine öffentliche Befragung gestartet, die nach eigenen Angaben auf großen Zuspruch gestoßen ist. 8221 Rückmeldungen erhielt die EZB demnach. Die größten Sorgen hatten die Befragten demnach beim Datenschutz der Zahlungen, der allgemeinen Sicherheit bei Nutzung der digitalen Währung, sowie der europaweiten Reichweite. Die Notenbankchefin Lagarde ist sich aber sicher, dass der digitale Euro kommen wird.

Zurzeit können nur gewerbliche Kreditgeber wie Regierungen, Banken oder andere Zentralbanken ihr Geld bei der EZB hinterlegen. Mit dem digitalen Euro wäre dies auch für Privatpersonen möglich. Experten befürchten jedoch, dass der Kleinanleger in Krisenzeiten seine Ersparnisse in rasantem Tempo abziehen würde und die Notlage der Bank damit verschärft. Damit ist der digitale Euro sehr riskant, so der Chefvolkswirt der Commerzbank Jörg Krämer. Denn die EZB könnte digitales Zentralbankgeld, im Gegensatz zu Bargeld, mit einem Strafzins versehen. Auch fürchten Kritiker, dass der digitale Euro das Bargeld auf Dauer verdrängen könnte. Die Folge wären stärkere Negativzinsen auf den Finanzmärkten. Weiter könnten sogenannte digitale Bank-Runs folgen, die das Bankensystem im Ganzen destabilisieren würde. Auch der Datenschutz könnte so nicht hinreichen gewährleistet werden, da die Bewegungen der digitalen Währung anders dokumentiert werden und eine Kontrolle dieser Bewegungen erst organisiert werden müsste. Viele Experten befürchten zudem, dass die EU mit der Einführung der digitalen Währung an Souveränität verliere. Als Europäer könne man zukünftig nur noch zwischen der amerikanischen und der chinesischen Währung auswählen, da diese am effizientesten sind.
Ein positiver Effekt wäre dagegen die Durchbrechung der Macht von Unternehmen und Banken, die auf die EZB übergehen würde. Die disziplinären Maßnahmen des Staates könnten fortan von der EZB geführt werden. Die Einführung des digitalen Euros würde zudem die Auswahl der Zahlungsmittel vergrößern.

Der digital programmierbare Euro, der auf Blockchain-Basis entwickelt werden soll, könnte den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, der momentan mehrere Tage dauert, binnen weniger Sekunden abwickeln. Bei der Blockchain-Technologie werden Datenblöcke zu einer Kette gereiht. Damit können neben der digitalen Währung, auch Wertpapiere transferiert werden. Werte und Euros werden zuvor in digitale Einheiten umgewandelt. Diese Technologie automatisiert insbesondere die Transaktionen von Unternehmen und beschleunigt sie in Folge. Das ist eine wichtige Voraussetzung für europäische Unternehmen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Insbesondere für Deutschland, einer Exportnation und einem Industriestandort ist der digitale Euro wichtig. Über das Blockchain-Netzwerk könnten auch automatisierte Prozesse, wie Zinszahlungen, die Abwicklung von Krediten oder Leasing, eingeführt werden. Der digitale Euro würde also selbstausführende Verträge ermöglichen, sogenannte Smart Contracts. Auf menschliche Interaktion könnte weitgehendst verzichtet werden, was bei den Unternehmen zu einer erheblichen Reduktion der Personalkosten führen würde. Aus Sicht des Leiters der Frankfurt School of Finance & Management, Phillip Sandner, sind elektronische Währungen damit in unserer digitalisierten und global vernetzten Welt mittlerweile unabdingbar.

Sollte die EZB sich also Mitte des Jahres für die Einführung des digitalen Euros aussprechen, so empfiehlt der deutsche Bankenverband eine öffentlich-rechtliche Partnerschaft. Der private Sektor hätte dann zur Aufgabe intelligente und innovative Lösungen für die EZB zu entwickeln und der öffentliche Sektor hätte Rahmenbedingungen zu erschaffen, die kontrollierende und regulierende Funktion erfüllen würden, um damit Stabilität und Sicherheit des Finanzsystems zu gewährleisten. Der digitale Euro soll nach Beschluss der EU schrittweise, innerhalb von vier Jahren, eingeführt werden. Die „kleine Lösung“ könnte schon nächstes Jahr vom privaten Sektor entwickelt werden. Die Einführung, also die „große Lösung“, würde allerdings erst Ende 2024 zu erwarten sein.